Ugali   Die Leibspeise Unserer Athleten

Die Profi-Athleten im Run2gether-Camp in Kiambogo sind alle sehr schlank und durchtrainiert. Sie wiegen zwischen 51 und 58kg, zum Vergleich – ich wiege ca. 68kg bei Einer Größe von 180cm. Welche Mengen die Herrschaften aber verspeisen können, das konnte ich mir vorher nicht vorstellen. Mein Laufpensum hier ist (abgesehen von der Geschwindigkeit) in dieser Woche ja durchaus vergleichbar; die Menge, die ich zu den Mahlzeiten schaffe, beträgt allerdings höchstens 50%. Fakt ist, alles was sie essen, ist zu 100% gesund: Ugali (Maismehl), Reis, Chapati (Teigfladen) und Kartoffeln – dazu Gemüse und Obst in allen Farben, jeden Tag Bohnen und Kraut. Ihre einzige Süßigkeit ist der extrem gesüßte Chai-Tea, der morgens und am Nachmittag getrunken wird.

Es wird ja seit Jahren über das „Läufer-Gen“ spekuliert. Das gibt es nicht – daran haben sich renommierte Wissenschaftler bereits die Zähne ausgebissen, auch hier vor Ort.
Wenn du so aufwächst, dich so ernährst, das Gemüse in deinem kleinen Garten vor der Hütte wächst, deine dort grasende Kuh dir die Milch für den Chai-Tea gibt und das Huhn ab und zu ein Ei legt, dann entwickelt sich dein Körper anders als bei uns in Europa, wo uns >85% ‚Müll‘ im Supermarkt angeboten wird.
Dazu kommen die 12km Schulweg, die tägliche Arbeit und die Hochlage auf 2.400m, das ist unschlagbar – so sieht’s aus, im „home of the Champions“ 😳☀️☺️

Rafael Treite/ 19. Dezember 2015 aus Kiambogo

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Ein offenes Geheimnis für den Erfolg der kenianischen Läufer ist deren für unsere Verhältnisse harte Kindheit. Zur Zeit sind hier in Kenia die “ großen Ferien“, das neue Schuljahr beginnt im Januar. Wenn wir unsere Läufe zwischen den Feldern und Äckern machen, arbeiten immer auch Kinder zusammen mit ihren Eltern dort.

Kinder arbeiten am Feld mit

Kinder arbeiten am Feld mit

Die kenianischen Athleten habe ich auch nach deren Kindheit gefragt – jeder hat während seiner Schulzeit auch zuhause mit den Eltern gearbeitet.
Zu dieser Arbeit kommt noch der oft weite Schulweg von bis zu 10km einfacher Weg hinzu. Zudem gibt es wenig Ablenkung, keinen Fernseher, keinen Computer – “ nur“ das Spielen draußen in der Natur. Es ist in meinen Augen völlig offensichtlich, warum Kenianer seit den 1960er Jahren die Laufwelt dominieren. Diese Grundlage der hohen Belastbarkeit, des Verzichts, des Erfolgshungers – und schlicht die Grundlage unglaublich vieler, barfuß gerannter und nicht als “ Training“ definierter Kilometer bilden einen Grundstock, den ein in Europa aufgewachsener junger Mensch kaum je aufholen kann.

Kinder arbeiten am Feld mit

Oft trifft man auf lachende Kindergesichter

Bei uns gibt es diesen Erfolgshunger auch sehr selten – er wird von Trainern versucht von außen an junge Talente heran zu tragen, die Flamme muss aber ja in jedem jungen Menschen selbst brennen, was man allerdings gerade in den Ausdauerdisziplinen äußerst selten vorfinden kann. Nur wenige Läufer in Deutschland oder Österreich stellen hier eine Ausnahme dar. Daher schaffen es auch nur ganz wenige Euopäer mit der afrikanischen Läuferwelt Schritt zu halten.

 

Eines dieser Kinder, nämlich mein junger Freund Joseph Kamau hat mich bei einem 11,3km Crosslauf mit 170Hm begleitet. Er ist zwar immer mal wegen Seitenstechen stehen geblieben – letztlich kam er aber immer wieder an meine Seite gespurtet. Dafür ging ich zwischendurch mal komplett in einer großen Pfütze baden. Die Pace betrug bei uns 4:37/km, der Junge hat’s echt drauf!12374793_1176330649062177_4396714437351321204_o

Die Kinder hier im Dorf wirken übrigens keineswegs unglücklich oder überfordert, das ist deren Leben. Ich sehe hier deutlich mehr lachende Kinder auf den Feldwegen als bei uns…

 

Rafael Treite, Dez. 2015 aus Kiambogo

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Mit diesen Worten beschreibt Rafael Treite, Lauftrainer und Moderator seinen derzeitigen Aufenthalt im Run2gether Camp in Kiambogo.

Kenya – welch ein wunderbares Land. Jetzt bin ich zwei Wochen an diesem traumhaften Ort und habe jeden Tag viele kleine und sehr besondere Erlebnisse.
Am Sonntag hat mich Ronaldo eingeladen, ihn zur Kirche in seinen Geburtsort zu begleiten. Anfangs dachte ich an einen kleinen Sonntags-Ausflug mit einwenig Gottesdienst – es wurde allerdings ein Tagesstrip daraus. Nach Fußmarsch, Motorrad- und Matatu-Ride kamen wir nach einer Stunde in der Kirche an, der Gottesdienst war bereits in vollem Gange.

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Der Eingang zur Kirche – von außen nicht gleich zu erkennen.

Beim Betreten der Kirche wurde sofort damit begonnen, alle Texte speziell für mich ins Englisch zu übersetzen, eine völlig normale Sache, wenn Gäste kommen – wie mir später erklärt wurde. In Deutschland dauert ein Gottesdienst eine Stunde, hier bin ich aufgrund von Erzählungen von bis zu zwei Stunden ausgegangen – es wurden drei. Drei Stunden Gottesdienst! Und keines der Kinder in der Gemeinde wurde unruhig oder laut, und davon gab es viele in der Kirche. Das lag mitunter sicher auch an den Gesängen – ich würde sie allerdings eher “ Bewegungspausen“ mit Gesangunterstützung nennen – langsam sich steigernde Lieder bis hin zu fast extatischem Schreien und Tanzen, das hatte ich vorher noch nicht erlebt. So ein Lied konnte auch mal 10 min. lang dauern, danach wischte sich die halbe Gemeinde erst einmal den Schweiß von der Stirn und die nächste Predigt begann. Zum Ende des Gottesdienstes wurde ich ausdrücklich gebeten, etwas zur Gemeinde zu sagen. Das ist mir schwer gefallen – vor vielen erwartungsvollen Augen etwas Sinnvolles zu sagen. Ich habe mich bedankt, für die Gastfreundschaft, für dieses wunderbare Land, ich habe von meiner Familie erzählt – und, da in der Predigt aufgrund meiner Anwesenheit Deutschland und der Wohlstand dort angesprochen wurde, habe ich auch betont, dass Zufriedenheit und Glück im Herzen nichts mit materiellen Gütern zu tun hat. Sondern mit dem was ich hier in Kenya mehr als bei uns erlebe – mit Familie und Zusammenhalt.

Hinterher kamen manche Menschen zu mir und haben sich für meinen Besuch und die Worte bedankt, das hat mich sehr gefreut und auch sehr berührt.

Zum Mittagessen zu Gast bei der Familie des Pastors

Nach dem Gottesdienst wurden wir vom Pfarrer noch zum Mittagessen eingeladen – die gesamte Gemeinde konnte rund um die Kirche am Essen teil haben.

Zum Mittagessen zu Gast bei der Familie des Pastors

Zum Mittagessen zu Gast bei der Familie des Pastors

 

Gott hat die schönsten Tiere nach Afrika geschickt

 

 

 

 

Auf dem Rückweg im Matatu hatten wir einen gesprächigen Fahrer – er sprach die Armut im Land an, gerade im Gegensatz zu Europa.

 

Aber sagte auch: “ Gott muss Kenya und ganz Afrika besonders lieben – denn er hat die schönsten Tiere der Welt ausgerechnet zu uns geschickt, in den ganzen reichen Länder gibt das nicht, alle Menschen möchten sie bei uns sehen. Gott muss uns sehr lieben.“ Eine schöne Sichtweise.

 

Wie riechen weiße Hände?

 

Jedes Kind, welches dir unterwegs als ‚Mzungu‘ (mit heller Hautfarbe) begegnet, möchte deine Hand anfassen – und hinterher an der eigenen Hand riechen. Ich habe bereits jetzt in gefühlt 1000 Kinderhände geklatscht.

Wer sich auf die Menschen hier einlässt, der kann Wunderbares erleben!

Rafael, 11.12.2015 live aus Kiambogo/Kenaya