Nun in meinem dritten Bericht ist es denke ich allemal an der Zeit, dass nun standesgemäß auf Suaheli gegrüßt wird! Den Versuch es auf Gikuyu (der Stammessprache der Region Kiambogo) zu tun, unterlasse ich mal lieber da ich mir nicht so ganz sicher bin ob es dies tatsächlich auch in Schriftform gibt…
Doch nun zum aktuellen Geschehen in und rings um das Mt. Longonot Sports Centre:
Neue Gäste – oder die Geburt des Spielecenters Kiambogo
Auch in dieser Woche darf unser Camp wieder neue Besuchern begrüßen und mitgebracht haben sie wie immer neue Impulse die das Leben hier bereichern. Diese wechselnden Besetzungen sind in meinen Augen eine absolute Belebung für den (Trainings-)Alltag der Athleten und die Basis für einen kulturellen Austausch hier in Kiambogo.
Derzeit tragen dazu Susanne und Moritz mitsamt ihren Kindern Sophie und Felix aus Graz bei, sowie – und über seine Anwesenheit freue ich mich natürlich ganz besonders – mein werter Bruder Jonas. Das Tolle ist, dass irgendwie ein jeder hier seine ganz persönliche Art und seine Interessen mit(ein)bringt. Dadurch wird es zum einen sehr abwechslungsreich und es kommt zum anderen auch außerhalb des Laufens sehr schnell zu einer Kontaktaufnahme.
Während also Susanne sich in freier Zeit begeistert für die Künste der kenianischen Küche interessiert und auch der ursprünglich gelernte Bäcker Jonas sich natürlich fachkräftig in die Produktion der sonntäglichen Chapatis eingemischt hat, haben Sophie und Felix wohl in dieser Woche das Spielecenter Kiambogo gegründet. Natürlich, es wird hier vermutlich schon immer ein wenig gespielt, doch sind eben in dieser Woche aus Graz und Metzingen neue Impulse inklusive einer Spielesammlung von 99Spielen (Danke an die Spenderin…) eingeflogen geworden und man kann es nicht anders sagen: es wird richtig gezockt! Ich glaube es gibt keinen der inzwischen nicht die Regeln von UNO kennen würde, keinen der sich nicht schon massiv beim “ Mensch ärgere dich nicht“ gegrämt hat, keinen der nicht schon sein Würfelglück bei “ Kniffel“ versucht hat oder keinen der nicht schon den Turm von Jenga umgeworfen hat… Dies um nur einige Beispiele zu nennen!
Es ist einfach unheimlich schön zu sehen, mit welcher Freude die Athleten hierbei zu Werke gehen und dabei vermutlich einfach auch einiges nachholen dürfen, welches sie im Laufe ihrer Jugend eben nicht wie wohl die meisten von uns schon haben erleben dürfen…
Training – oder das Fiebern in Richtung Diamond Race
Natürlich wurde trotz aller Spielebegeisterung auch in dieser Woche trainiert. Dabei wirft schon eine ganze Weile DAS kommende Großereignis in Nairobi seinen Schatten voraus: Das Diamond Race am nächsten Sonntag. Mindestens schon seit einer Woche wird diskutiert welche Größen dort an den Start gehen werden und in welcher Zeit wohl das 10km-Rennen entschieden werden wird. Seit Anfang der Woche ist nun klar, dass sich auch sechs run2gether-Athleten in das illustre Starterfeld mischen werden und die Ehre haben werden, sich mit Größen wie Geoffrey Mutai, Kirui sowie weiteren Athleten aus Äthiopien, Uganda, Somalia, etc. messen zu dürfen.
Auch wenn vermutlich die absolute Spitze vermutlich ohne unsere Jungs abgehen wird, hält dies hier dank des gewissen kenianischen Optimismus niemand davon ab, DIE entscheidende Renntaktik zu entwickeln, die Top-Platzierungen intern zu verteilen oder sich zu überlegen was man denn dem Herrn Mutai zurufen wird wenn man ihn dann bei Km 8 abschüttelt und endgültig davonzieht… Man darf gespannt sein welcher Plan (oder Traum) wahr werden wird… :-)
Nicht zuletzt aufgrund des Rennens bzw. der Überlegung wer denn für die raren Startplätze in Frage kommt, fand am letzten Samstag noch zum Wochenabschluss ein Speedtraining in Form einer 12 bzw 14km Competition statt. Ein absolut heißer Tanz… Zu Beginn taktisch geprägt (wie bei jedem wichtigen Großereignis :-)) musste am Ende doch jeder seine Karten auf den Tisch legen. Und so wurde auf den letzten Kilometern derart gefightet dass schließlich alle auf der letzten Rille ins Ziel kamen… Letztlich konnte sich dank seiner Bergab-Qualitäten auf dem letzten Kilometer dann Francis Maina (mit ca 47min) vor Ronald Ngigi sowie Eric und Ekidor durchsetzen.
Auch unsere Damen-Competition über 12km standen in Sachen Brisanz auf den letzten Metern den Herren nichts nach und so durfte man mangels technischer Möglichkeiten in Kiambogo (leider hat die Zielfoto-Kamera versagt…) letztlich mit Jane und Viola zwei Siegerinnen küren.
Persönlich muss ich gestehen großzügig darauf verzichtet zu haben am Challenge teilzunehmen. Auch wenn ich mich immer besser an Umfänge und Intensität gewöhne fühlen sich meine Beine derzeit nicht nach einem Rennen an. Stattdessen habe ich mir lieber meinen “ Guten-Morgen-Chai“ gegönnt und mich auf einen anstrengenden Tag im Nationalpark vorbereitet :-)
Safaris – oder die wunderbare Tiervielfalt Kenias
Anstatt sich also in den staubigen Straßen von Kiambogo zu verausgaben, haben sich die Europäer im Camp mit unserem Guide Paul sowie Geoffrey und Robert aufgemacht am Samstag sowohl Lake Naivasha als auch den Hellsgate Nationalpark zu besuchen. Man kann dazu nur sagen: Wow… Speziell die Bootstour auf dem Lake Naivasha war absolut umwerfend. Eine Vogelpracht wie ich sie noch nie gesehen habe: unzählige Pelikane dazu Kingfisher in Aktion erleben oder den anmutigen Seeadler beobachten, etc. ist beeindruckend. Dazu lockt das Wasser natürlich auch sonstige Tiere an und man kann auf einer Insel in der Mitte des Sees soviele Zebras, Gnus, Giraffen, Antilopen oder Gazellen sehen, dass man fast Gefahr läuft übersättigt zu werden… Dass man sich außerdem mit dem kleinen Boot bis auf wenige Meter an die Hippos (nicht nur “ Quizduell-Spieler“ wissen dass es extrem gefährliche Tiere sind…) heran wagt und dabei den Wellengang ihres Auf- und Abtauchens spüren kann, ist dann noch die Krönung…
Beim anschließenden Hellsgate Nationalpark-Besuch steht es einem dann frei das Gelände auf eigenen zwei Rädern, nämlich per Fahrrad zu erkunden. Da außer von Hyänen vielleicht am ehesten noch von einem durchgeknallten Warzenschwein oder frechen Pavian Gefahr ausgehen könnte, kann man dies hier nämlich getrost riskieren. Und so radelt man auf einem absoluten “ Top“-Mountainbike („only the best for you, you are my best friend…“;-)) durch eine tolle Steppenlandschaft die durch rote Felswände begrenzt wird, grüßt immer wieder nach links um einem Zebra zuzuwinken oder nickt rechts einer Giraffe zu die sich an den Blättern eines Baumes erfreut… Ein tolles Erlebnis! Das einzige Manko ist, dass man von der Vielzahl an Tieren auf engem Raum am Lake Naivasha derart verwöhnt ist, dass man sich in Hellsgate dann manchmal fragt ob sich denn die Tiere in Hellsgate eigentllich vor einem verstecken…
Comunal Cleaning – oder der “ optional (training) day“
Comunal day! Bedeutet: einmal in der Woche investiert jeder seine Energie zugunsten des Camps. Trainiert wird je nach Bedarf selbstständig und es wird ab nach dem Frühstück geputzt, Müll gesammelt, im Anlagengarten gewerkelt, repariert, Ackerbau betrieben, rundum also ein munteres Treiben da ja jeder im Camp seine Aufgabe hat und für irgendetwas “ responsible“ ist! – soweit zur Theorie….
In der Praxis: Dies ist der Tag an dem sich das kenianische Gemüt absolut offenbart. Während das eigenständige Training noch absolut funktioniert hört es bei der Arbeit bei den meisten Jungs und Mädels hier dann leider ganz schnell auf… Eigentlich ist es tatsächlich so, dass jeder seinen Bereich hat um diesen in Schuss zu halten oder zu bearbeiten, aber wenn der Tag dann ansteht sieht es so bei vielen (Ausnahmen gibt es aber durchaus!) so aus, als hätten sie ihre Aufgabe bereits im Schlaf erledigt und dürfen es sich stattdessen nun erlauben, die Nase in die Sonne zu strecken oder im Aufenthaltsraum auf das Essen zu warten. Bisher vom Coach noch toleriert und nicht sanktioniert, wird zukünftig das eine oder andere strenge Wort diesbezüglich den Athleten hoffentlich Beine machen….
Angeregt von meiner Seite läuft ja nun seit zwei Wochen das Projekt, den Ackerbau rund um das Camp zumindest in kleinen Schritten wiederzubeleben. Nachdem es in der ersten Woche noch am Werkzeug gescheitert ist, konnte dieser Mangel dann in der letzten Woche behoben werden und das ausgewählte Feld zumindest vom Fremdbewuchs abgerodet werden. Dass nun seither nichts mehr vorangeht, dafür können die Athleten nun allerdings wenig. Das Feld müsste nämlich von einem Traktor umgepflügt werden um weitere Schritte anzugehen. Bestellt war dieser schon seit letzter Woche auf Montag 10Uhr. Der Fahrer hat sich dann tatsächlich am Montagabend auch blicken lassen, allerdings nur um sich die Sache einmal anzusehen. Er wollte dann wieder am nächsten Tag erscheinen… Anscheinend ist heute immer noch Dienstag, denn bis heute habe ich den Herrn mit seinem Geschoss leider nicht mehr gesichtet… Und so verstreicht eben heute ein weiterer Comunal Day ohne dass zukünftig Spinat oder Zwiebeln vor der Tür des Centres gedeihen…
In diesem Sinne grüße ich alle fleißigen Hände in Österreich, Deutschland, Schweiz oder sonstwo! (Aber natürlich auch die Hände welche sich derzeit im wohlverdienten Urlaub oder Semesterferien befinden ;-))
Kwaheri!!
Euer Tim
https://alt.run2gether.com/wp-content/uploads/2014/08/francis-jonas-geoffrey.jpg555706Thomas Krejcihttps://www.run2gether.com/wp-content/uploads/2013/12/Titel-Logo-HP-neu1.gifThomas Krejci2014-08-19 14:41:042014-08-19 14:41:04Tim’s live Report aus Kenia – Teil 3
Mit prallem Gepäck kam unser Gast Sabrina in der letzten Woche in Kiambogo an. Mit dabei: die Patenpost für unsere Kinder in der r2g Nursery School. Das Überbringen jener Umschläge und kleiner Pakete ist für die Kleinen natürlich ein absolutes Highlight und mit einem großen Strahlen nehmen sie ihre Präsente in Empfang…
Doch es sollte bei Weitem nicht alles sein was Sabrina im Laufe ihres Aufenthaltes aus ihren Taschen zauberte. Die Tage müssen den Kindern vorgekommen sein als ob Weihnachten und Ostern für sie zusammengelegt worden wären…
Begonnen hat das Ganze am Dienstag mit einer großen Zahnreinigungsaktion! Unzählige Zahnbürsten und Zahnpasten hatten sich in der goßen Tasche versteckt und die wurden nun unter den Schülern verteilt. Doch wie wendet man die Sachen überhaupt an? Gut dass dafür in Form von Lilian, den Läufern Geoffrey und Simon sowie Gesine aus Hamburg natürlich absolut fachkräftiges Personal da war und es direkt eine Übungseinheit zum Thema Zähneputzen vor Ort gab! Die Zähne der Kleinen (die Zähne sind meist gewiss nicht das Prunkstück der Kenianer…) sollten ab ab jetzt eigentlich blitzen und blinken!
So wichtig auch die Hygiene ist, doch wenn schon einmal hoher Besuch aus Wien da ist, dann kann ja eigentlich auch gleich noch ein wenig zusammen gebastelt werden. Kronen und Krönchen standen auf dem Programm, und so sah man am Montagmittag nach Schulschluss viele kleine, stolze kenianische Prinzessinnen und Prinzen nach auf den schmalen Pfaden nach Hause wandern.
Wer gedacht hat dass damit für die Woche genug ist: weit gefehlt. Es sollte am Mittwoch im Programm weitergehen! Diesmal wurde die Weihnachtsfrau Sabrina von Erik und Robert begleitet und auch Alun und ich durften uns die Schule einmal etwas genauer anschauen. Da natürlich auch in der Nursery School der Spruch: “ erst die Arbeit dann das Vergnügen“ gelten muss, durfte sich Lilian nach dem Stellen der Mathematik und creative-Aufgaben diesmal ein wenig zurücklehnen und wir Gäste die “ teacher“ spielen. So war es unsere Aufgabe von Schüler zu Schüler zu gehen und das von ihnen Errechnete und Produzierte zu korrigieren. Gut möglich dass an diesem Tag das ein oder andere Auge auch mal zugedrückt wurde und es etwas schneller als sonst das belohnende Smiley unter die Aufgabe gab ;-)
Anschließend blieb natürlich noch genug Zeit ein wenig zu spielen und für die Ausstattung war wieder bestens gesorgt: es war an Luftballons, Seifenblasen und rhytmischen Sportbändern absolut kein Mangel und es wurde rund um das Schulhaus wild gemeinsam getobt.
Wie wichtig eine gute Bildung ist, wird einem bei einem Besuch in Kenia ganz schnell klar. Leider mangelt es hier an vielen Punkten und neben dem Problem des Schulgeldes oder des Lehrer/Schüler – Anzahlverhältnisses ist auch die unzureichende Ausstattung ein großes Thema. Die r2g Nursery School gehört ganz bestimmt zu den absolut priviligierten Schulen in Kiambogo und Umgebung, doch gehen auch hier natürlich mal Schreibhefte, Stifte oder die Kreide aus. Doch nach einem Einkaufsbummel am Donnerstagmittag nach Naivasha mit Lilian kann man ganz beruhigt zu dem Schluss kommen: man kann beruhigt in die Zukunft schauen…
Man kann sich sicher sein, dass diese Woche den Kindern ganz bestimmt noch eine Weile in Erinnerung bleiben wird und sie sich in Zukunft des öfteren fragen: Kommt uns denn unsere Weihnachtsfrau mal wieder besuchen…?
Übrigens habe ich für Besucher des Centres noch einen kleinen Tipp: Sollte einen einmal zwischen Frühstück und Mittagessen mal die Lust auf leckeres Porridge überkommen oder die Neugier da sein, einmal umringt von fröhlichen Schulkindern ein Mittagessen einzunehmen?
Die Kochkünste der Schulköchin sind nur empfehlen ;-)
Liebe Grüße aus Kenia
Tim
https://alt.run2gether.com/wp-content/uploads/2014/08/IMG-20140730-WA0006.jpg175311Thomas Krejcihttps://www.run2gether.com/wp-content/uploads/2013/12/Titel-Logo-HP-neu1.gifThomas Krejci2014-08-14 22:28:002014-08-14 22:28:00Das Überbringen der Patenpost – oder ist denn heute schon Weihnachten?
Seit meinem letzten Bericht sind bereits einige Tage ins Land gezogen und es ist nun wieder an der Zeit für einen kleinen Bericht aus dem Herzen Kenias.
Besucher im Sports Centre
Letzte Woche ging es hier vor Ort ziemlich heiß her und so wurde das Camp einmal logistisch an seine Grenzen geführt. Nebst der Wienerin Sabrina, Alun und Gesine aus Hamburg und meiner Wenigkeit, wurden für fünf Nächte sieben italienische Gäste unseres Sponsors “ Africa & Sport“ im Camp begrüßt. Dies hatte in der Vorbereitung größere Umzugsmaßnahmen zufolge, da mit den vielen Gästen für die folgenden Tage damit so ziemlich das Maximum an Platz ausgeschöpft war.
Glücklicherweise erklärten sich unsere weiblichen Athleten bereit, zumindest für kurze Zeit zugunsten unserer italienischen Freunde ihr “ Zuhause“ zu räumen und fanden, nachdem ich mich von dort verzogen hatte, im Turkana House eine neue Bleibe. Der große Vorteil des Ganzen: die Damenunterkunft ist nun mal wieder auf (kenianischen) Hochglanz poliert! ;-)
Doch nicht nur in Sachen Logistik machte sich der viele Besuch bemerkbar. Man muss einfach sagen: wenn sieben muntere Italiener auf durchaus auch recht fidele Kenianer treffen, dann ist was los! Wenn man nun also gemeinsam im Essensaal sitzt, das Essen verteilt wird, der (unausschaltbare) Fernseher plärrt, und quer durch den Saal auf Suaheli, Gikuyu, Italienisch, Englisch und Deutsch der Tag diskutiert wird, dann ist das an Lautstärke kaum zu übertreffen…
Das Wetter
Wer Kiambogo im Juli/August bereisen mag, der sollte für alle Eventualitäten gewappnet sein. Das Wetter wechselt derartig schnell, dass ein kurzer Mittagschlaf ausreicht um die kurze Hose wieder im Zimmer lassen zu können und stattdessen lange Hosen und Jacke zu benötigen. Besonders gefährlich, da man sich dadurch häufig einmal erkälten kann ist der teils starke Wind. Leider sind auch die Athleten dem teilweise nicht so recht gewappnet und so gab es in der letzten Woche so manche kleine Verkühlung.
Um es einmal im Tagesablauf zu veranschaulichen sah das z.B. gestern so aus: Morning Run fröstelnd mit Mütze und Handschuhe, zweite Einheit schwitzend im Singlet und kurzer Hose (→ herrlicher Sonnenbrand auf den Schultern…), danach konnte man sich traumhaft in der Sonne sitzend im Garten erholen, aber ab dem frühen Abend gab es dann auf einmal trübes Wetter mit absolutem Jackenbedarf. Die einzige Konstante ist derzeit: Das Warten auf den Regen. Eigentlich etwas was die Region derzeit dringend benötigen würde…
Training
Persönlich hatte für mich die letzte Trainingswoche Höhen und Tiefen. Absolut stolz, sowohl Montag wie auch Dienstag das gesamte Training mit den Athleten absolvieren zu können, habe ich mir am Dienstag beim “ Bahntraining“ eine gesalzene Erkältung eingefangen, die mich leider ziemlich ausbremste und mich von da an wieder gesondertes Programm absolvieren lies. Trotzdem war ich happy, als ich am Samstag nach einem Longrun über 25km mit Alun und unserem Pacemaker Paul feststellen durfte, dass sich trotz aller Hinderungen 108km angesammelt hatten.
Die Jungs und Mädels haben ansonsten aber wirklich eine knackige Woche hinter sich. Da die beiden eigentlich gemütlichen Longruns offenbar jeweils in interne Wettläufe ausarteten, haben sie sich wohl täglich ziemlich ans Limit geführt und dem freie Sonntag wurde dankbar entgegen gesehnt…
Ein paar Worte noch zum Thema Bahntraining:
Während man bei uns ja so selbstverständlich fast in jedem Dorf oder Städtchen eine Tartanbahn vorfindet läuft das bislang in Kiambogo etwas anders ab. Um überhaupt zur “ Bahn“ zur gelangen darf man sich zuerst einmal 5km den Berg hinauf “ warmlaufen“ und dabei 300Hm überwinden. Schließlich auf 2700m Höhe angekommen begibt man sich in ein Schulgelände, auf welchem sich ein großes Fußballfeld befindet. Hierauf liegen dann pausierende Schüler, es weiden Kühe und naja, drumherum trainieren eben kenianische Topathleten… Selbstverständlich aber nicht auf Asche oder gar Tartan! Vielmehr hat sich irgendjemand wohl einmal die Mühe gemacht, um das Feld herum 400m abzumessen (die GPS-Uhr ist sogar einverstanden damit!!) und durch eine Vielzahl von Läufern wurde eine Spur in das Gras hineingelaufen. Tja und so holpert man dann über Schlaglöcher und Kuhfladen. Zumindest wenn man Europäer ist… Wenn man Kenianer ist, fliegt man eben über all diese Unebenheiten hinweg und absolviert die 10x1000m dann locker jeweils unter 2:58…
Auch wenn dieses Bahntraining auch eine ganz eigene Erfahrung ist: Wie herrlich dass es bald in Kiambogo die ortseigene run2gether-Aschenbahn geben wird…
Circuit Drills and Exercises:
Dies stand gestern zum Beginn der neuen Trainingswoche auf dem Programm. Sehr gespannt was sich dahinter verbirgt, habe ich mich mit unseren italienischen Freunden im Gepäck auf den Weg zum Feld der Primary School gemacht.
Fazit: Es war eine hoch unterhaltsame Stunde. Ich hoffe die Bilder geben es ein wenig wieder… Unter Beobachtung hunderter Kinder wurde gehüpft, geworfen und ein Stationenbetrieb absolviert und man kann durchaus sagen dass der Spaß sehr im Vordergrund stand.
Allerdings erlaube ich mir trotzdem festzustellen, dass das Thema Athletik und Koordination eigentlich bestimmt eines wäre, bei welchem die Athleten noch ziemlichen Nachholbedarf haben.. Natürlich haben die meisten natürlich nicht gerade eine sportliche Grundausbildung im örtlichen Sportverein hinter sich, aber dass man einen Hampelmann hüpfen, oder ein paar saubere Liegestützen machen kann hätte ich von Topläufern schon erwartet… So durfte ich wenigstens für mich vermerken, dass wenn man schon beim Laufen den Athleten nicht das Wasser reichen kann – mit Liegestützen kann man sie beeindrucken ;-)
Besuch bei Geoffrey Githuku:
Habe ich euch letzte Woche von meinen eher etwas bedrückenden Besuchen der armen Familien erzählt, so war ich in dieser Woche gleich zweimal bei Geoffrey zu Hause zum Mukimo-Essen eingeladen.
Geoffrey hat das Glück, als Letztgeborener in einer eher etwas wohlhabenderen Familie in Kiambogo aufgewachsen zu sein. Dass dies der Fall ist, hat er wohl der Intelligenz bzw dem Fleiß seiner Eltern zu verdanken. Der Vater, vormals Lehrer, hat mit Hilfe seiner Familie über die Jahre, rings ums Haus die Flächen mit Gemüse bepflanzt und sich wohl dabei sukzessive vergrößert. Inzwischen wachsen allerlei Leckereien (z.B: Physalis frisch vom Busch…. Mmh!!) rings um das Haus und die Felder werfen derart viel Kraut, Zwiebeln oder Bohnen ab, dass diese längst nicht mehr nur zum Eigenbedarf reichen, sondern gewinnbringend verkauft werden können. Es war schön zu sehen und hören wie sich eine Familie auch in der ärmlichen Region Kiambogos einwickeln kann und zu einem ausreichenden Wohlstand gelangen kann.
Am Sonntagmorgen habe ich mal flink hochgerechnet und bin zu dem Schluss gekommen, dass die 4h Kirche der letzten Woche durchaus auch noch für diese reichen dürften… Statt mich also kirchengemäß in Schale zu werfen, habe ich die bequeme Jogginghose anbehalten und mich mit Joseph ,Lydia und Idah der Aufgabe gewidmet gut 45 hungrige Menschen am Abend mit leckeren Chapati zu versorgen. Wow, eine ganz schöne Arbeit, wonach der Respekt für unsere Köche hier im Camp absolut gestiegen ist!! Die Menge dessen was nämlich so mancher Läufer hier verdrückt, da könnte man eine halbe Großbäckerei mit der Chapatiproduktion beauftragen ;-)
Für den der Chapati noch nicht kennt: Es ist eigentlich eine völlig einfach Rezeptur: Mehl wird mit Wasser vermengt, gut durchgeknetet und dann zu runden kleinen Flächen ausgewellt. Die Fläche wird dann mit einer gehörigen Portion Öl herausgebraten und am Ende steht ein unheimlich leckeres, absolut empfehlenswertes, Pfannkuchenartiges Produkt. Absolut testenswert!!
Nun das soll es für heute wieder gewesen sein… Und da für mich morgen um 6.30 Uhr der nächste Morning Run wartet, steht nun in Kiambogo die Nachtruhe an. Darum wünsche ich aller Welt: Gute Nacht und Lala salama!
Euer
Tim
https://alt.run2gether.com/wp-content/uploads/2014/08/kenian-kind-of-sport.jpg548411Thomas Krejcihttps://www.run2gether.com/wp-content/uploads/2013/12/Titel-Logo-HP-neu1.gifThomas Krejci2014-08-06 14:09:402014-08-06 14:28:30Tim’s live Report aus Kenia – Teil 2
Tim’s live Report aus Kenia – Teil 3
Projekt NewsHabari jako?
Nun in meinem dritten Bericht ist es denke ich allemal an der Zeit, dass nun standesgemäß auf Suaheli gegrüßt wird! Den Versuch es auf Gikuyu (der Stammessprache der Region Kiambogo) zu tun, unterlasse ich mal lieber da ich mir nicht so ganz sicher bin ob es dies tatsächlich auch in Schriftform gibt…
Doch nun zum aktuellen Geschehen in und rings um das Mt. Longonot Sports Centre:
Neue Gäste – oder die Geburt des Spielecenters Kiambogo
Auch in dieser Woche darf unser Camp wieder neue Besuchern begrüßen und mitgebracht haben sie wie immer neue Impulse die das Leben hier bereichern. Diese wechselnden Besetzungen sind in meinen Augen eine absolute Belebung für den (Trainings-)Alltag der Athleten und die Basis für einen kulturellen Austausch hier in Kiambogo.
Derzeit tragen dazu Susanne und Moritz mitsamt ihren Kindern Sophie und Felix aus Graz bei, sowie – und über seine Anwesenheit freue ich mich natürlich ganz besonders – mein werter Bruder Jonas. Das Tolle ist, dass irgendwie ein jeder hier seine ganz persönliche Art und seine Interessen mit(ein)bringt. Dadurch wird es zum einen sehr abwechslungsreich und es kommt zum anderen auch außerhalb des Laufens sehr schnell zu einer Kontaktaufnahme.
Während also Susanne sich in freier Zeit begeistert für die Künste der kenianischen Küche interessiert und auch der ursprünglich gelernte Bäcker Jonas sich natürlich fachkräftig in die Produktion der sonntäglichen Chapatis eingemischt hat, haben Sophie und Felix wohl in dieser Woche das Spielecenter Kiambogo gegründet. Natürlich, es wird hier vermutlich schon immer ein wenig gespielt, doch sind eben in dieser Woche aus Graz und Metzingen neue Impulse inklusive einer Spielesammlung von 99Spielen (Danke an die Spenderin…) eingeflogen geworden und man kann es nicht anders sagen: es wird richtig gezockt! Ich glaube es gibt keinen der inzwischen nicht die Regeln von UNO kennen würde, keinen der sich nicht schon massiv beim “ Mensch ärgere dich nicht“ gegrämt hat, keinen der nicht schon sein Würfelglück bei “ Kniffel“ versucht hat oder keinen der nicht schon den Turm von Jenga umgeworfen hat… Dies um nur einige Beispiele zu nennen!
Es ist einfach unheimlich schön zu sehen, mit welcher Freude die Athleten hierbei zu Werke gehen und dabei vermutlich einfach auch einiges nachholen dürfen, welches sie im Laufe ihrer Jugend eben nicht wie wohl die meisten von uns schon haben erleben dürfen…
Training – oder das Fiebern in Richtung Diamond Race
Natürlich wurde trotz aller Spielebegeisterung auch in dieser Woche trainiert. Dabei wirft schon eine ganze Weile DAS kommende Großereignis in Nairobi seinen Schatten voraus: Das Diamond Race am nächsten Sonntag. Mindestens schon seit einer Woche wird diskutiert welche Größen dort an den Start gehen werden und in welcher Zeit wohl das 10km-Rennen entschieden werden wird. Seit Anfang der Woche ist nun klar, dass sich auch sechs run2gether-Athleten in das illustre Starterfeld mischen werden und die Ehre haben werden, sich mit Größen wie Geoffrey Mutai, Kirui sowie weiteren Athleten aus Äthiopien, Uganda, Somalia, etc. messen zu dürfen.
Auch wenn vermutlich die absolute Spitze vermutlich ohne unsere Jungs abgehen wird, hält dies hier dank des gewissen kenianischen Optimismus niemand davon ab, DIE entscheidende Renntaktik zu entwickeln, die Top-Platzierungen intern zu verteilen oder sich zu überlegen was man denn dem Herrn Mutai zurufen wird wenn man ihn dann bei Km 8 abschüttelt und endgültig davonzieht… Man darf gespannt sein welcher Plan (oder Traum) wahr werden wird… :-)
Nicht zuletzt aufgrund des Rennens bzw. der Überlegung wer denn für die raren Startplätze in Frage kommt, fand am letzten Samstag noch zum Wochenabschluss ein Speedtraining in Form einer 12 bzw 14km Competition statt. Ein absolut heißer Tanz… Zu Beginn taktisch geprägt (wie bei jedem wichtigen Großereignis :-)) musste am Ende doch jeder seine Karten auf den Tisch legen. Und so wurde auf den letzten Kilometern derart gefightet dass schließlich alle auf der letzten Rille ins Ziel kamen… Letztlich konnte sich dank seiner Bergab-Qualitäten auf dem letzten Kilometer dann Francis Maina (mit ca 47min) vor Ronald Ngigi sowie Eric und Ekidor durchsetzen.
Auch unsere Damen-Competition über 12km standen in Sachen Brisanz auf den letzten Metern den Herren nichts nach und so durfte man mangels technischer Möglichkeiten in Kiambogo (leider hat die Zielfoto-Kamera versagt…) letztlich mit Jane und Viola zwei Siegerinnen küren.
Persönlich muss ich gestehen großzügig darauf verzichtet zu haben am Challenge teilzunehmen. Auch wenn ich mich immer besser an Umfänge und Intensität gewöhne fühlen sich meine Beine derzeit nicht nach einem Rennen an. Stattdessen habe ich mir lieber meinen “ Guten-Morgen-Chai“ gegönnt und mich auf einen anstrengenden Tag im Nationalpark vorbereitet :-)
Safaris – oder die wunderbare Tiervielfalt Kenias
Anstatt sich also in den staubigen Straßen von Kiambogo zu verausgaben, haben sich die Europäer im Camp mit unserem Guide Paul sowie Geoffrey und Robert aufgemacht am Samstag sowohl Lake Naivasha als auch den Hellsgate Nationalpark zu besuchen. Man kann dazu nur sagen: Wow… Speziell die Bootstour auf dem Lake Naivasha war absolut umwerfend. Eine Vogelpracht wie ich sie noch nie gesehen habe: unzählige Pelikane dazu Kingfisher in Aktion erleben oder den anmutigen Seeadler beobachten, etc. ist beeindruckend. Dazu lockt das Wasser natürlich auch sonstige Tiere an und man kann auf einer Insel in der Mitte des Sees soviele Zebras, Gnus, Giraffen, Antilopen oder Gazellen sehen, dass man fast Gefahr läuft übersättigt zu werden… Dass man sich außerdem mit dem kleinen Boot bis auf wenige Meter an die Hippos (nicht nur “ Quizduell-Spieler“ wissen dass es extrem gefährliche Tiere sind…) heran wagt und dabei den Wellengang ihres Auf- und Abtauchens spüren kann, ist dann noch die Krönung…
Beim anschließenden Hellsgate Nationalpark-Besuch steht es einem dann frei das Gelände auf eigenen zwei Rädern, nämlich per Fahrrad zu erkunden. Da außer von Hyänen vielleicht am ehesten noch von einem durchgeknallten Warzenschwein oder frechen Pavian Gefahr ausgehen könnte, kann man dies hier nämlich getrost riskieren. Und so radelt man auf einem absoluten “ Top“-Mountainbike („only the best for you, you are my best friend…“;-)) durch eine tolle Steppenlandschaft die durch rote Felswände begrenzt wird, grüßt immer wieder nach links um einem Zebra zuzuwinken oder nickt rechts einer Giraffe zu die sich an den Blättern eines Baumes erfreut… Ein tolles Erlebnis! Das einzige Manko ist, dass man von der Vielzahl an Tieren auf engem Raum am Lake Naivasha derart verwöhnt ist, dass man sich in Hellsgate dann manchmal fragt ob sich denn die Tiere in Hellsgate eigentllich vor einem verstecken…
Comunal Cleaning – oder der “ optional (training) day“
Comunal day! Bedeutet: einmal in der Woche investiert jeder seine Energie zugunsten des Camps. Trainiert wird je nach Bedarf selbstständig und es wird ab nach dem Frühstück geputzt, Müll gesammelt, im Anlagengarten gewerkelt, repariert, Ackerbau betrieben, rundum also ein munteres Treiben da ja jeder im Camp seine Aufgabe hat und für irgendetwas “ responsible“ ist! – soweit zur Theorie….
In der Praxis: Dies ist der Tag an dem sich das kenianische Gemüt absolut offenbart. Während das eigenständige Training noch absolut funktioniert hört es bei der Arbeit bei den meisten Jungs und Mädels hier dann leider ganz schnell auf… Eigentlich ist es tatsächlich so, dass jeder seinen Bereich hat um diesen in Schuss zu halten oder zu bearbeiten, aber wenn der Tag dann ansteht sieht es so bei vielen (Ausnahmen gibt es aber durchaus!) so aus, als hätten sie ihre Aufgabe bereits im Schlaf erledigt und dürfen es sich stattdessen nun erlauben, die Nase in die Sonne zu strecken oder im Aufenthaltsraum auf das Essen zu warten. Bisher vom Coach noch toleriert und nicht sanktioniert, wird zukünftig das eine oder andere strenge Wort diesbezüglich den Athleten hoffentlich Beine machen….
Angeregt von meiner Seite läuft ja nun seit zwei Wochen das Projekt, den Ackerbau rund um das Camp zumindest in kleinen Schritten wiederzubeleben. Nachdem es in der ersten Woche noch am Werkzeug gescheitert ist, konnte dieser Mangel dann in der letzten Woche behoben werden und das ausgewählte Feld zumindest vom Fremdbewuchs abgerodet werden. Dass nun seither nichts mehr vorangeht, dafür können die Athleten nun allerdings wenig. Das Feld müsste nämlich von einem Traktor umgepflügt werden um weitere Schritte anzugehen. Bestellt war dieser schon seit letzter Woche auf Montag 10Uhr. Der Fahrer hat sich dann tatsächlich am Montagabend auch blicken lassen, allerdings nur um sich die Sache einmal anzusehen. Er wollte dann wieder am nächsten Tag erscheinen… Anscheinend ist heute immer noch Dienstag, denn bis heute habe ich den Herrn mit seinem Geschoss leider nicht mehr gesichtet… Und so verstreicht eben heute ein weiterer Comunal Day ohne dass zukünftig Spinat oder Zwiebeln vor der Tür des Centres gedeihen…
In diesem Sinne grüße ich alle fleißigen Hände in Österreich, Deutschland, Schweiz oder sonstwo! (Aber natürlich auch die Hände welche sich derzeit im wohlverdienten Urlaub oder Semesterferien befinden ;-))
Kwaheri!!
Euer Tim
Das Überbringen der Patenpost – oder ist denn heute schon Weihnachten?
Projekt NewsMit prallem Gepäck kam unser Gast Sabrina in der letzten Woche in Kiambogo an. Mit dabei: die Patenpost für unsere Kinder in der r2g Nursery School. Das Überbringen jener Umschläge und kleiner Pakete ist für die Kleinen natürlich ein absolutes Highlight und mit einem großen Strahlen nehmen sie ihre Präsente in Empfang…
Doch es sollte bei Weitem nicht alles sein was Sabrina im Laufe ihres Aufenthaltes aus ihren Taschen zauberte. Die Tage müssen den Kindern vorgekommen sein als ob Weihnachten und Ostern für sie zusammengelegt worden wären…
Begonnen hat das Ganze am Dienstag mit einer großen Zahnreinigungsaktion! Unzählige Zahnbürsten und Zahnpasten hatten sich in der goßen Tasche versteckt und die wurden nun unter den Schülern verteilt. Doch wie wendet man die Sachen überhaupt an? Gut dass dafür in Form von Lilian, den Läufern Geoffrey und Simon sowie Gesine aus Hamburg natürlich absolut fachkräftiges Personal da war und es direkt eine Übungseinheit zum Thema Zähneputzen vor Ort gab! Die Zähne der Kleinen (die Zähne sind meist gewiss nicht das Prunkstück der Kenianer…) sollten ab ab jetzt eigentlich blitzen und blinken!
So wichtig auch die Hygiene ist, doch wenn schon einmal hoher Besuch aus Wien da ist, dann kann ja eigentlich auch gleich noch ein wenig zusammen gebastelt werden. Kronen und Krönchen standen auf dem Programm, und so sah man am Montagmittag nach Schulschluss viele kleine, stolze kenianische Prinzessinnen und Prinzen nach auf den schmalen Pfaden nach Hause wandern.
Wer gedacht hat dass damit für die Woche genug ist: weit gefehlt. Es sollte am Mittwoch im Programm weitergehen! Diesmal wurde die Weihnachtsfrau Sabrina von Erik und Robert begleitet und auch Alun und ich durften uns die Schule einmal etwas genauer anschauen. Da natürlich auch in der Nursery School der Spruch: “ erst die Arbeit dann das Vergnügen“ gelten muss, durfte sich Lilian nach dem Stellen der Mathematik und creative-Aufgaben diesmal ein wenig zurücklehnen und wir Gäste die “ teacher“ spielen. So war es unsere Aufgabe von Schüler zu Schüler zu gehen und das von ihnen Errechnete und Produzierte zu korrigieren. Gut möglich dass an diesem Tag das ein oder andere Auge auch mal zugedrückt wurde und es etwas schneller als sonst das belohnende Smiley unter die Aufgabe gab ;-)
Anschließend blieb natürlich noch genug Zeit ein wenig zu spielen und für die Ausstattung war wieder bestens gesorgt: es war an Luftballons, Seifenblasen und rhytmischen Sportbändern absolut kein Mangel und es wurde rund um das Schulhaus wild gemeinsam getobt.
Wie wichtig eine gute Bildung ist, wird einem bei einem Besuch in Kenia ganz schnell klar. Leider mangelt es hier an vielen Punkten und neben dem Problem des Schulgeldes oder des Lehrer/Schüler – Anzahlverhältnisses ist auch die unzureichende Ausstattung ein großes Thema. Die r2g Nursery School gehört ganz bestimmt zu den absolut priviligierten Schulen in Kiambogo und Umgebung, doch gehen auch hier natürlich mal Schreibhefte, Stifte oder die Kreide aus. Doch nach einem Einkaufsbummel am Donnerstagmittag nach Naivasha mit Lilian kann man ganz beruhigt zu dem Schluss kommen: man kann beruhigt in die Zukunft schauen…
Man kann sich sicher sein, dass diese Woche den Kindern ganz bestimmt noch eine Weile in Erinnerung bleiben wird und sie sich in Zukunft des öfteren fragen: Kommt uns denn unsere Weihnachtsfrau mal wieder besuchen…?
Übrigens habe ich für Besucher des Centres noch einen kleinen Tipp: Sollte einen einmal zwischen Frühstück und Mittagessen mal die Lust auf leckeres Porridge überkommen oder die Neugier da sein, einmal umringt von fröhlichen Schulkindern ein Mittagessen einzunehmen?
Die Kochkünste der Schulköchin sind nur empfehlen ;-)
Liebe Grüße aus Kenia
Tim
Tim’s live Report aus Kenia – Teil 2
Projekt NewsHallo nach Europa!
Seit meinem letzten Bericht sind bereits einige Tage ins Land gezogen und es ist nun wieder an der Zeit für einen kleinen Bericht aus dem Herzen Kenias.
Besucher im Sports Centre
Letzte Woche ging es hier vor Ort ziemlich heiß her und so wurde das Camp einmal logistisch an seine Grenzen geführt. Nebst der Wienerin Sabrina, Alun und Gesine aus Hamburg und meiner Wenigkeit, wurden für fünf Nächte sieben italienische Gäste unseres Sponsors “ Africa & Sport“ im Camp begrüßt. Dies hatte in der Vorbereitung größere Umzugsmaßnahmen zufolge, da mit den vielen Gästen für die folgenden Tage damit so ziemlich das Maximum an Platz ausgeschöpft war.
Glücklicherweise erklärten sich unsere weiblichen Athleten bereit, zumindest für kurze Zeit zugunsten unserer italienischen Freunde ihr “ Zuhause“ zu räumen und fanden, nachdem ich mich von dort verzogen hatte, im Turkana House eine neue Bleibe. Der große Vorteil des Ganzen: die Damenunterkunft ist nun mal wieder auf (kenianischen) Hochglanz poliert! ;-)
Doch nicht nur in Sachen Logistik machte sich der viele Besuch bemerkbar. Man muss einfach sagen: wenn sieben muntere Italiener auf durchaus auch recht fidele Kenianer treffen, dann ist was los! Wenn man nun also gemeinsam im Essensaal sitzt, das Essen verteilt wird, der (unausschaltbare) Fernseher plärrt, und quer durch den Saal auf Suaheli, Gikuyu, Italienisch, Englisch und Deutsch der Tag diskutiert wird, dann ist das an Lautstärke kaum zu übertreffen…
Das Wetter
Wer Kiambogo im Juli/August bereisen mag, der sollte für alle Eventualitäten gewappnet sein. Das Wetter wechselt derartig schnell, dass ein kurzer Mittagschlaf ausreicht um die kurze Hose wieder im Zimmer lassen zu können und stattdessen lange Hosen und Jacke zu benötigen. Besonders gefährlich, da man sich dadurch häufig einmal erkälten kann ist der teils starke Wind. Leider sind auch die Athleten dem teilweise nicht so recht gewappnet und so gab es in der letzten Woche so manche kleine Verkühlung.
Um es einmal im Tagesablauf zu veranschaulichen sah das z.B. gestern so aus: Morning Run fröstelnd mit Mütze und Handschuhe, zweite Einheit schwitzend im Singlet und kurzer Hose (→ herrlicher Sonnenbrand auf den Schultern…), danach konnte man sich traumhaft in der Sonne sitzend im Garten erholen, aber ab dem frühen Abend gab es dann auf einmal trübes Wetter mit absolutem Jackenbedarf. Die einzige Konstante ist derzeit: Das Warten auf den Regen. Eigentlich etwas was die Region derzeit dringend benötigen würde…
Training
Persönlich hatte für mich die letzte Trainingswoche Höhen und Tiefen. Absolut stolz, sowohl Montag wie auch Dienstag das gesamte Training mit den Athleten absolvieren zu können, habe ich mir am Dienstag beim “ Bahntraining“ eine gesalzene Erkältung eingefangen, die mich leider ziemlich ausbremste und mich von da an wieder gesondertes Programm absolvieren lies. Trotzdem war ich happy, als ich am Samstag nach einem Longrun über 25km mit Alun und unserem Pacemaker Paul feststellen durfte, dass sich trotz aller Hinderungen 108km angesammelt hatten.
Die Jungs und Mädels haben ansonsten aber wirklich eine knackige Woche hinter sich. Da die beiden eigentlich gemütlichen Longruns offenbar jeweils in interne Wettläufe ausarteten, haben sie sich wohl täglich ziemlich ans Limit geführt und dem freie Sonntag wurde dankbar entgegen gesehnt…
Ein paar Worte noch zum Thema Bahntraining:
Während man bei uns ja so selbstverständlich fast in jedem Dorf oder Städtchen eine Tartanbahn vorfindet läuft das bislang in Kiambogo etwas anders ab. Um überhaupt zur “ Bahn“ zur gelangen darf man sich zuerst einmal 5km den Berg hinauf “ warmlaufen“ und dabei 300Hm überwinden. Schließlich auf 2700m Höhe angekommen begibt man sich in ein Schulgelände, auf welchem sich ein großes Fußballfeld befindet. Hierauf liegen dann pausierende Schüler, es weiden Kühe und naja, drumherum trainieren eben kenianische Topathleten… Selbstverständlich aber nicht auf Asche oder gar Tartan! Vielmehr hat sich irgendjemand wohl einmal die Mühe gemacht, um das Feld herum 400m abzumessen (die GPS-Uhr ist sogar einverstanden damit!!) und durch eine Vielzahl von Läufern wurde eine Spur in das Gras hineingelaufen. Tja und so holpert man dann über Schlaglöcher und Kuhfladen. Zumindest wenn man Europäer ist… Wenn man Kenianer ist, fliegt man eben über all diese Unebenheiten hinweg und absolviert die 10x1000m dann locker jeweils unter 2:58…
Auch wenn dieses Bahntraining auch eine ganz eigene Erfahrung ist: Wie herrlich dass es bald in Kiambogo die ortseigene run2gether-Aschenbahn geben wird…
Circuit Drills and Exercises:
Dies stand gestern zum Beginn der neuen Trainingswoche auf dem Programm. Sehr gespannt was sich dahinter verbirgt, habe ich mich mit unseren italienischen Freunden im Gepäck auf den Weg zum Feld der Primary School gemacht.
Fazit: Es war eine hoch unterhaltsame Stunde. Ich hoffe die Bilder geben es ein wenig wieder… Unter Beobachtung hunderter Kinder wurde gehüpft, geworfen und ein Stationenbetrieb absolviert und man kann durchaus sagen dass der Spaß sehr im Vordergrund stand.
Allerdings erlaube ich mir trotzdem festzustellen, dass das Thema Athletik und Koordination eigentlich bestimmt eines wäre, bei welchem die Athleten noch ziemlichen Nachholbedarf haben.. Natürlich haben die meisten natürlich nicht gerade eine sportliche Grundausbildung im örtlichen Sportverein hinter sich, aber dass man einen Hampelmann hüpfen, oder ein paar saubere Liegestützen machen kann hätte ich von Topläufern schon erwartet… So durfte ich wenigstens für mich vermerken, dass wenn man schon beim Laufen den Athleten nicht das Wasser reichen kann – mit Liegestützen kann man sie beeindrucken ;-)
Besuch bei Geoffrey Githuku:
Habe ich euch letzte Woche von meinen eher etwas bedrückenden Besuchen der armen Familien erzählt, so war ich in dieser Woche gleich zweimal bei Geoffrey zu Hause zum Mukimo-Essen eingeladen.
Geoffrey hat das Glück, als Letztgeborener in einer eher etwas wohlhabenderen Familie in Kiambogo aufgewachsen zu sein. Dass dies der Fall ist, hat er wohl der Intelligenz bzw dem Fleiß seiner Eltern zu verdanken. Der Vater, vormals Lehrer, hat mit Hilfe seiner Familie über die Jahre, rings ums Haus die Flächen mit Gemüse bepflanzt und sich wohl dabei sukzessive vergrößert. Inzwischen wachsen allerlei Leckereien (z.B: Physalis frisch vom Busch…. Mmh!!) rings um das Haus und die Felder werfen derart viel Kraut, Zwiebeln oder Bohnen ab, dass diese längst nicht mehr nur zum Eigenbedarf reichen, sondern gewinnbringend verkauft werden können. Es war schön zu sehen und hören wie sich eine Familie auch in der ärmlichen Region Kiambogos einwickeln kann und zu einem ausreichenden Wohlstand gelangen kann.
Am Sonntagmorgen habe ich mal flink hochgerechnet und bin zu dem Schluss gekommen, dass die 4h Kirche der letzten Woche durchaus auch noch für diese reichen dürften… Statt mich also kirchengemäß in Schale zu werfen, habe ich die bequeme Jogginghose anbehalten und mich mit Joseph ,Lydia und Idah der Aufgabe gewidmet gut 45 hungrige Menschen am Abend mit leckeren Chapati zu versorgen. Wow, eine ganz schöne Arbeit, wonach der Respekt für unsere Köche hier im Camp absolut gestiegen ist!! Die Menge dessen was nämlich so mancher Läufer hier verdrückt, da könnte man eine halbe Großbäckerei mit der Chapatiproduktion beauftragen ;-)
Für den der Chapati noch nicht kennt: Es ist eigentlich eine völlig einfach Rezeptur: Mehl wird mit Wasser vermengt, gut durchgeknetet und dann zu runden kleinen Flächen ausgewellt. Die Fläche wird dann mit einer gehörigen Portion Öl herausgebraten und am Ende steht ein unheimlich leckeres, absolut empfehlenswertes, Pfannkuchenartiges Produkt. Absolut testenswert!!
Nun das soll es für heute wieder gewesen sein… Und da für mich morgen um 6.30 Uhr der nächste Morning Run wartet, steht nun in Kiambogo die Nachtruhe an. Darum wünsche ich aller Welt: Gute Nacht und Lala salama!
Euer
Tim